Leder-Bearbeitung / Leder-Zurichtung


Rohware

Bevorzugt werden Häute und Felle der einheimischen landwirtschaftlichen Nutztiere gegerbt. Neben einer Verringerung des Transportaufwandes erlaubt diese Rohwarenpolitik einen weitgehenden Verzicht auf Konservierungsmittel.

Um eine hochwertige Weiterverarbeitung der nicht zur Gerbung genutzten Hautbestandteile zu ermöglichen, werden ausschließlich Häute von genusstauglich befundenen Tieren aus tierärztlich kontrollierten Schlachtungen zu Leder veredelt. Dies wird auch lückenlos dokumentiert.

 

Lederherstellung

Die Gerbung und die anschliessende Lederveredlung erfolgen nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand ausnahmslos mit gesundheitlich unbedenklichen Konservierungs-, Gerb- oder Farbstoffen.

Durch die Entwicklung optimierter Gerbverfahren und die konsequente Durchführung von Massnahmen zum produktionsintegrierten Umweltschutz konnte z.B. der Wasserverbrauch für die Ledererzeugung in Deutschland in den letzten Jahren drastisch gesenkt werden.

 

Forschungs- und Entwicklungsarbeit für umweltfreundliche Lederherstellung

Die deutschen Lederhersteller bemühten sich durch ständige Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten um weitere Fortschritte auf dem Gebiet des Umweltschutzes.

 

Anilingefärbt und Anilinzugerichtet

Im Faß oder anderweitig durchgefärbtes Leder, ohne Pigment-Schlußaufstrich (siehe auch Semi-Anilin-Leder), teiweise wird der Begriff auch für Leder verwendet, dessen Oberfläche anilingespritzt ist oder bei dem mit der Walzendruckmaschine eine leichte Pigmentierung aufgebracht wurde

 

Chromfreie Gerbung - mit synthetischen Stoffen ohne Verwendung von Chrom gegerbt.

 

Chromgegerbt - Nur mit Chromsalzen oder mit Chromsalzen unter Zusatz kleiner Mengen anderer Gerbmittel gegerbtes Leder. Die Zusätze dienen jedoch lediglich der Unterstützung des Chromgerbvorganges, reichen aber nicht aus, um den typischen Chromcharakter des Leders zu ändern.

 

Finish - Schlußarbeitsvorgang oder -vorgänge bei zugerichtetem Leder.

 

Gerben - Die Umwandlung der verderblichen Rohware unter Verwendung von Gerbstoffen in die beständige Form des Leders.

 

Imprägniertes Leder - Ein Leder, das durch Einlagerung verschiedener Stoffe, wie Fett, Paraffin, Wachs und/oder Harz usw. in seinen physikalischen Eigenschaften verbessert wurde, ohne dadurch seine typischen Ledereigenschaften zu verlieren.

 

Kalbvelours - Kalbleder mit einem samtartigen Schliff auf der Fleischseite.

 

Lackleder - Mit einem glänzenden, spiegelglatten Film überzogenes Leder. Dabei werden eine oder mehrere Schichten von Firnis oder Lack mit oder ohne Farbzusätze nacheinander aufgetragen. In Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien kann ein bestimmtes Leder mit ähnlichem Aussehen als Lackleder bezeichnet werden.

 

Mineralisch gegerbt - Mit Mineralsalzen (z. B. Chrom, Aluminium, Zirkonium, Eisen) gegerbtes Leder.

 

Nubuk - Ein narbenseitig geschliffenes Leder mit samtartiger Oberfläche.

 

Pflanzlich gegerbt - Ein ausschließlich unter Verwendung pflanzlicher Gerbstoffe hergestelltes Leder. Dabei können geringe Mengen anderer Gerbmittel, die lediglich der Unterstützung des Gerbprozesses dienen bzw. eine Verbesserung oder Anpassung des Leders bewirken sollen, verwendet werden. Die Verwendung zusätzlicher Gerbmittel darf den eigentlichen Charakter der vegetabilen Gerbung nicht verändern.

 

Rauhleder - Ein allgemeiner Begriff für Leder, dessen Oberfläche zur Erzielung einer feinen, samtähnlichen Oberfläche entsprechend zugerichtet wurde. Die verschiedenen Rauhlederbegriffe werden eingeteilt in:

1. Narbenseitig bearbeitetes Leder

a) Narben geschliffen: Mocha, Nubuk, Velvet,

b) Narben entfernt: Sämischleder (Chamoisleder), Waschleder, Wildleder.

2. Fleischseitig bearbeitetes Leder: Hunting, Huntingcalf, Ziegenvelours, Mohair-Velours, Samtleder, Schaffellvelours, Plüschleder, Suéde,

3. Narben- oder fleischseitig bearbeitetes Leder: Schweinsvelours, Wildleder

4. Spaltrauhleder: Rind- und Kalbvelour

 

Rohhaut - Die vor der Gerbung konservierte Rindhaut, die von Haaren und Fleischbehang befreit ist. Im grünen Zustand getrocknet und im allgemeinen ungegerbt.

 

Sämischgerbung - Siehe Sämischleder. Durch den Zusatz "Echt" (Full) soll zum Ausdruck gebracht werden, daß das Leder nur mit Tran, nicht aber in Kombination mit anderen Gerbstoffen hergestellt wurde.

 

Sämischleder - Ein durch Oxydation von Tran oder Fischöl in Schaf- oder Lammfellen, deren Narben abgespalten oder abgestoßen wurde, hergestelltes Leder. Es liegt entweder reine Trangerbung (echt sämisch) oder Formaldehyd-Vorgerbung mit einer Trannachgerbung (neusämisch) vor. In Deutschland erstreckt sich der Begriff Sämischleder auf trangegerbtes Rauhleder aus Schaf-, Lamm-, Hirsch-, Reh-, Gemsen-, Ziegen-, Zickel- und Rentierfellen sowie aus Rindspalten. Frankreich und USA beschränken den Begriff Sämischleder (Chamoisleder) auf den Fleischspalt von Schaffellen, die nur mit Tran gegerbt sind. In Italien und in der Schweiz wird dieses Leder fälschlicherweise als "pelli di daino" bzw. als "Hirschleder" bezeichnet. Ein Leder aus dem Fell der Gemse oder der Gebirgsantilope. Dieses Leder ist selten.

 

Schweinsverlours - Schweinsleder, dessen Oberfläche veloursartig geschliffen wurde.

 

Semianilinleder - Leder, welches unter Mitverwendung geringer Mengen von Pigmentfarbstoffen anilin-gefärbt wird. Dabei soll das natürliche Narbenbild nicht verdeckt werden.

 

Weissgerben - Das Gerben von Häuten und Fellen mit Alaun. Mit diesem alten Verfahren (tawing) erhält man im allgemeinen ein Erzeugnis, das einer wiederholten Behandlung mit kaltem Wasser nicht widersteht. Daher wurde dieses Verfahren eigentlich nicht als Gerbung bezeichnet. In Deutschland versteht man unter Weißgerbung einen vollständigen Gerbprozeß. In Frankreich umfaßt der Begriff "mégisserie" jede Gerbung von Ziegen-, Zickel-, Schaf- und Lammfellen, mit Ausnahme von Zickelfellen für Schuhoberleder.

 

Ziegenvelours (Samtziege) - Rein chromgegerbtes Ziegenleder, das auf der Fleischseite veloursartig zugerichtet ist.